bodenseewald
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Nachteile des Kahlschlags

Der Leutkircher Wald (nur um ein explizites Beispiel zu nennen) umschließt Haberstenweiler fast vollständig. Bei diesem Forst ist in den letzten Jahren etwa ein Viertel der Fläche mehr oder weniger neu aufgeforstet worden. 

 

Da wir die genauen Daten nicht kennen, kann man nur näherungsweise vorgehen: Der Jungwald dürfte etwa bis zu 10 oder 15 Jahre alt sein, das würde bedeuten, dass bei gleichem Erntetempo im Kahlhiebsverfahren nach etwa weiteren 45 Jahren der gesamte Leutkircher Wald einmal platt gemacht worden ist. Und dann?

 

Wenn man bedenkt, dass das sog. "Umtriebsalter" (also das Alter, in dem ein Baum schlagreif ist) bei der Fichte bei 80 bis 120 Jahren, bei der Buche bei 60 bis 100 Jahren liegt (hier unterscheiden sich die Quellen), dann muss man wirklich den Eindruck gewinnen, es kann hier die Holzernte gar nicht schnell genug erfolgen!

 

Vor allem deshalb, weil es im Leutkircher Wald (wie in vielen anderen Forsten im Bodenseewaldgebiet) nicht um "normale" Holzernte geht - so entsteht der Eindruck - sondern um Gewinnmaximierung jeweils durch Kahlhieb: In einem Aufwasch mit wenig Aufwand alles weg!

 

Im Landeswaldgesetz von Baden-Württemberg gelten nicht nur flächenhafte Nutzungen als "Kahlhiebe", sondern auch solche Einzelstammentnahmen, welche den Holzvorrat eines Bestandes auf weniger als 40 vom Hundert des standörtlich möglichen maximalen Vorrats herabsetzen! (Quelle) Diese "Kahlhiebe" sind von uns durch Google Maps nicht erfassbar, müssten also gegebenenfalls noch mit eingerechnet werden.

 

Waldprinz.de schreibt dazu (Quelle): "Wenn die Umtriebszeit* erreicht ist, muss das nicht notwendigerweise mit einem Kahlschlag gleichgesetzt werden. Ein Kahlschlag geht mit vielen negativen Begleiterscheinungen einher. Nachlassende Wasserspeicherfähigkeit, Abbau der Humusschicht, Wegfall der Schattenspender für schattenliebende Baumarten etc. sprechen klar gegen diese Erntemethode. Eine Auflichtung des Waldbestandes kann durch spezifische Hiebsformen (Schirmhieb, Femelhieb, Lochhieb, Saumhieb) erfolgen. Durch die Auflockerung des Bestandes kommt wieder Licht auf den Boden – beste Voraussetzung für eine günstige und ökologisch sinnvolle Naturverjüngung."

 

* Umtriebszeit ist der zu erwartende Zeitraum von der Bestandesbegründung bis zur Endnutzung durch Holzeinschlag

Beispiel aus dem Bodenseewald:

Hier wurde die obere Bodenschicht - teilweise bis auf den Mutterboden - beiseite geräumt und in langen Haufen aufgeschichtet. (Kahlschlag bei Betenbrunn, nahe der Deggenhauser Aach, Richtung Röhrenbach, Blick NO)

 

Bei diesem Anblick stellt sich die Frage, ob hier dem LWaldG BaWü §15 (2) Genüge getan worden ist. (siehe)

 

Auf seiner Homepage "Wälder in Deutschland" hat F.J.Adrian die Nachteile von Kahlschlägen untersucht. Von dort wurde der nachfolgende Text übernommen, er präzisiert die Ausführungen von Waldprinz.de. 

 

1.  Die kahle Fläche erwärmt sich stark durch die direkte Sonneneinstrahlung.

 

2.  Da kein Wasser mehr über die Nadeloberfläche (...) verdunstet, versickert deutlich mehr Wasser im Boden.

 

3.  Die Erwärmung regt die Destruenten (u. a. Pilze und Bakterien) zu verstärktem Abbau des Humus im Boden an. Stickstoffhaltige Abfälle werden durch Bakterien in großen Mengen zu Ammonium NH4+ und Nitrat NO3– umgewandelt.

 

4.  Ein Teil des Ammonium und Nitrats wird bei Regen aus dem Boden ausgewaschen. Es kommt zur Eutrophierung der Fließgewässer.

 

5.  Ein Teil des Nitrats wird von durch den Kahlschlag begünstigten denitrifizierenden Bakterien in Stickstoff umgewandelt. Auch so geht dem Boden große Mengen an Stickstoff verloren.

 

6.  Ein Teil des Ammonium und Nitrat wird von stickstoffliebenden Kräutern wie z. B. Brennnessel, Weidenröschen und Fingerhut genutzt. Sie vermehren sich auf der Kahlschlagsfläche und erschweren eine natürliche Verjüngung (Verkrautung und Vergrasung).

 

7.  Die Kräuter locken das Rehwild an und fördern seine Vermehrung. Die Verbissschäden nehmen noch weiter zu.

 

8.  Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium, wichtige Pflanzennährstoffe, die gleichzeitig als Säurepuffer im Boden wirken, werden aus dem Boden ausgewaschen.  

 

9.  Auch der Abbau der kohlenstoffhaltigen organischen Substanzen beschleunigt sich durch die Wärme. Kohlendioxid CO2 gast aus dem Boden aus. Der Wald wird von einer Kohlendioxidsenke zu einer Quelle des Treibhausgases.

 

10.  Die Aufnahme des Treibhausgases Methan CH4 in den Waldboden wird reduziert.

 

11.  Aus dem kahlgeschlagenen Boden gast in großen Mengen das extrem klimaschädliche Lachgas NO2 aus.

 

12.  Der Humus wird (....) von den Destruenten abgebaut (...). Dies ist umso bedenklicher, als  Fichtenwälder ohnehin humusarm sind: Bergmischwälder haben einen Humusgehalt von 80-140 Tonnen pro ha, absterbende Fichtenwälder kommen nur auf 8-17 Tonnen pro ha (Lieckfeld, Tatort Wald, S. 222).

 

13.  Es entsteht kein neuer Humus, sodass (der Boden) an Humus und Nährstoffen verarmt.

 

14.  Im Sommer dörrt die Sonne (den Boden) aus, im Winter vernässt und verschlammt (er).

 

15. (....)

 

16.  Stürme haben (...) nun freie Bahn, sodass die benachbarten Fichtenbestände bedroht sind.

 

17.  Durch das Fällen und Rücken der Stämme wird der Boden geschädigt. Das Befahren des Bodens mit tonnenschweren Forstrückeschleppern verdichtet den Boden.

 

18.  Durch das Rücken der gefällten Stämme wird die obere Bodenschicht geschädigt.

 

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